Montag, 30. Juli 2012

Grossen Flüssen entlang (Chani und Oljokma)

Am Vorabend hatte ich schon erfahren, dass es wohl jetzt schwieriger werden dürfte, die Brücken werden mir immer genannt. Der Grund dafür ist, dass die Brücken erst letzte Woche abgeräumt wurden, mancher sagte mir, dass es hier 2 Monate Regen gab. Meine erste Frage ist daher ob auch die Brücke über den Chani weg ist, zum Glück nicht, die Brücke ist aber auch sehr massiv, fast etwas surreal für solch eine Piste. Die Leute hier haben zwar fast alle ein Auto, doch von Chani aus kommen sie in Richtung Oljokma nur 2 km weit und auch in Gegenrichtung ist mit einem normalen Auto bald Schluss. Es ist daher lustig die Ausflügler in 5 km Umkreis um die Ortschaft zu sehen. Der Winter soll aber besser sein, dann käme man weiter. Eine weitere Alternative hier soll die Plattform sein, ab und zu (bzw. nach Bedarf wird ein Wagon angehängt) fährt ein Zug mit Plattformwagon nach Oljokma, sie ist aber für Normalsterbliche deutlich zu teuer. In Chani meinen sie aber, dass am Vortag ein paar Geländewagenfahrer die Plattform nach Oljokma genommen hätten. Beim zweiten Fluss stelle ich fest, dass die Einwohner Recht hatten, die Brücke ist weg. Dass das Ereignis erst vor kurzem war sieht man an der provisorischen Piste (Bäume erst kürzlich gefällt) zur Furt, dort treffe ich auf einen LKW aus Gegenrichtung. Er meint bei der nächsten Furt dürfte ich Probleme bekommen und solle auf die Eisenbahn ausweichen. Während meine erste Furt noch gut ohne Taschenabnahme gelingt stehe ich wenig später auf der Rampe der 2. weggerissenen Brücke. Der Fluss sieht deutlich grösser aus, ob ich hier gut furten kann bezweifle ich, daher kehre ich um und suche Spuren zur Eisenbahn und siehe da, es hat ein paar Motorradspuren, welche durch das noch leicht schlammige Gelände führen. Ich bin froh, als ich mich zur Bahnlinie durchgekämpft habe, der richtige Abzweig zur Bahnpiste war wohl woanders. An der Bahnbrücke ist eine Baracke mit 2 Bahnarbeitern, diese erzählen mir, dass vor einer Woche Motorradfahrer hier durchgekommen sind. Die Arbeiter scheinen momentan noch daran zu sein eine neue Furt einzurichten, von der Rampe der weggerissenen Brücke hatte ich zumindest auf Anhieb keine neue Furt gesehen. Ich bin froh, dass ich mit dem Rad noch relativ leicht auf den Bahndamm komme und über die Brücke schieben kann. In der Folge bleibe ich eigentlich fast ausschliesslich auf der Bahnpiste, die Spuren der Motorradfahrer und eventuell auch ein paar Radspuren begleiten mich, Autospuren sehe ich hier zuerst nicht, es hat wohl noch ein paar weitere Brücken weggerissen. Die Fahrt hier auf der Bahnpiste ist sehr motivierend, zwar wird die Piste gerade vor Brücken eher schlecht, da fast nicht befahren (die LKW müssen vor den Eisenbahnbrücken runter und sich eine Furt suchen), dafür hat man fast keine Steigung, muss als Radfahrer nur bei der Brücke schieben, die Piste, bzw. Bahn läuft nahe am Fluss und durch die regelmässige Pflege (Bäume und Büsche entfernt) hat man eine prima Aussicht, zumal die Bahnpiste mit auf dem Damm verläuft. Nach einiger Zeit treffe ich wieder auf Bahnarbeiter, die mich zu einem Tee einladen, die Piste soll so weiter bis Oljokma gut benutzbar sein. Prima, so bin ich um 15.00 im Ort, wo ich Brotzeit mache.
Morgenstimmung am Zeltplatz
 
Die erste Brücke steht schon mal
Ohne wäre es schwierig, es geht über den Chani
Die zweite Brücke ist letzte Woche abgeräumt worden
Der Bach hat nicht so viel Wasser
ich schiebe mit Taschen am Rad durch, der LKW-Fahrer warnt mich,
dass der nächste Fluss wohl nicht mehr so einfach zu durchschieben ist
schau mer mal
Er hatte leider Recht, ebenfalls letzte Woche abgeräumt
ich folge einem schlechten Waldweg
zur Bahnbrücke
Noch ist keine alternative Umfahrung eingerichtet
Da weitere Brücken weg sein sollen,
bleibe ich auf der Bahnpiste
welche schöne Ausblicke gewährleistet,
da sie im Gegensatz zur alten Baupiste frei geschnitten wird
Zudem rollte es sich hier ganz gut
Die Motorradfahrer von letzter Woche sind auch hier durch
Wieder ein uriges Bahnerhäuschen
gemütlich
Der Chani
Völlig einsam bin ich nicht, man trifft manchmal Bahnarbeiter
Der Chani ist ein Wildfluss
Einsames Seitenwagenmotorrad ohne Besitzer
In Oljokma werde ich mal wieder von der Gastfreundschaft in diesen kleinen BAM-Orten überrascht. Meine erste Tat im Ort war ein Einkauf in einem kleinen Laden, wenig später winkt mich die Verkäuferin wieder zu sich und drückt mir noch Nudelsuppen, Zucker und hausgemachtes Gebäck in die Hand, für das ich nichts zahlen darf. Noch während der Brotzeit am Bahnhof winkt mich ein Feuerwehrmann her, weil er mich zum Tee einladen will, so komme ich nach der halben Brotzeit vorbei und bekomme noch Tee mit Keksen. Im Feuerwehrhaus hängt auch eine ganz brauchbare Karte der Gegend herum, anhand dieser Karte kommen mir im Gespräch mit dem Feuerwehrmann ganz neue Erkenntnisse. Der Mann erzählt mir, dass Chilchi und Djugabul bewohnt wären und Läden haben, zudem erwartet mich in 70 km eine zwingende Eisenbahnbrücke, die mir aber eigentlich bekannt ist, es ist die bei Befahrern der BAM-Piste berüchtigte Brücke über den Oljokma. Zudem meinte er, dass die Jeepfahrer, welche per Plattform kommen sollten, wohl erst heute verladen wurden und sie wohl bis Juktali transferiert würden, da die Brücke nur von Motorrädern oder Fahrrädern befahren werden kann, Autos und LKW würden nicht durchgelassen. Er sei früher auch per Motorrad drüber gefahren. Zu den Kosten weiss er zu berichten, dass ein Auto 25000 Rubel von Oljokma nach Juktali kostet. Der Feuerwehrmann beruhigt mich zudem hinsichtlich der Bären, die wären aktuell eher zahm und hätten selbst viele Beeren zu essen. Die Strecke hinter Oljokma ist weniger spektakulär, dafür fahre ich mir meinen ersten Platten ein, der Schlauch ist schnell gewechselt und der defekte Schlauch wird am Abend repariert.
Heute mache ich schon relativ früh Schluss, um 19:45 habe ich ein schickes Eisenbahnerhäusschen vor mir, hier hat sich ein echter Künstler verwirklicht. Für die Nacht versuche ich ein Fenster mit meinem Moskitokopfnetz mückendicht zu bekommen, um gleichtzeitig frische Luft zu bekommen.
Mit dem Hobokocher wird einigermassen mückenfrei gekocht.
Die Bahnpiste ist hier wenig frei gefahren
Ortseingang von Oljokma
Bei der Feuerwehr wurde ich auf einen Tee eingeladen
Eine grosse Brücke
Eine surreale Brücke
Strassenräumdienst
ein Kabel wird hinterhergeschleift, wohl um Vegetation niedrig zu halten
Piste bleibt gut
Erste Begegnung mit dem Oljokma
Er wurde mir schon als richtig grosser Fluss angekündigt
Mit der unteren Lena kann er es aber nicht aufnehmen
Ich liebe diese Brücken
Abendstimmung
Zeit für ein Nachtlager
Da war wieder der Hofmaler der Russischen Bahn unterwegs

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